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Interview mit Pascal Miguet zur SOMMER cable BASIC und BASIC+ Series
Geschrieben von: SommerCable   
Freitag, den 09. November 2018 um 12:54 Uhr

Jetzt habt ihr es doch getan… was hat SOMMER cable dazu bewogen, günstige  Kabelverbindungen anzubieten? SOMMER cable ist ja bekannt dafür, hochwertige Kabel herzustellen – inwiefern kann da die Basic-Kabelserie qualitativ mithalten?

Ursprünglich kommen wir ja aus dem Segment Broadcast und der professionellen Medientechnik und erst in den späteren Jahren wurde der Bereich der Beschallungstechnik und des MI-Marktes weiter ausgebaut. Die ersten Schritte hierzu unternahmen wir im Jahr 2000, als SOMMER cable das Unternehmen ZECK Audio aus Waldkirch übernahm. Und wer unseren Weg aufmerksam verfolgt hat, der kann sich denken, dass wir auch so immer genug zu tun und in den letzten Jahren mit immensen Wachstumsschüben zu tun hatten, d.h. wir waren in Sachen Lagerplatz und Logistik oftmals fast am Limit angelangt.

Erst durch den Kauf des benachbarten Gebäudes, den Bau eines hochmodernen AutoStore®-Lagers und die Automation unserer Kabelkonfektionierung konnten wir das Angebot für den MI-Markt noch weiter ausbauen und die Liefergeschwindigkeit weiter verkürzen. Wir haben nun fast 25.000 Produkte im Portfolio, und da müssen ein solcher Weg und die Neueinführung eines solchen Brands wirklich gut überlegt sein. Wir wollten gegenüber den Kunden mit schmalerem Geldbeutel also nicht despektierlich sein, sondern die bisherige Situation gab es einfach nicht her, dass wir uns um so ein Projekt kümmern konnten.

Sind diese Low-Budget-Produkte nicht schlecht für das Image eines Qualitätsherstellers?

Schlecht für das Image ist eine schlechte Qualität. Und schlecht für das Image ist, wenn der Kunde spürt, dass man nicht mit Herzblut bei der Sache ist oder Entwicklungen nur aus rein kommerziellen Gesichtspunkten verfolgt. Erfolg haben vor allen Dingen die Produkte, bei denen der Kunde merkt, dass man das für ihn und nicht nur für sich selbst macht.

Und was das Image anbelangt: Ein Image wird ja nicht nur durch ein nettes Marketing generiert, hierzu gehört auch der generelle Umgang mit dem Kunden, die Lieferverfügbarkeit, der verlässlichen Produktqualität, ein kulanter Service, wenn mal etwas schief läuft, umfangreiches Prospektmaterial, eigenes Know-how und Potential in der Produktentwicklung und so weiter und so fort. Der Kunde kauft nicht nur ein Produkt, er kauft sozusagen ein ganzes Paket.

Es ist deshalb beispielsweise für einen Low-Budget-Anbieter bekannterweise nahezu unmöglich, ein Qualitätsprodukt zu verkaufen, wenn diese Rahmenbedingungen nicht gegeben sind. Man traut es diesem Anbieter nicht zu, dass er ohne Know-how im gehobenen Qualitätssegment auch tatsächlich dauerhaft hochwertige Produkte etablieren kann. Umgekehrt ist es für einen Premium-Anbieter viel einfacher, Qualität auch im unteren Preissegment zu liefern. Schlichtweg, weil er zumeist viel besser beurteilen kann, ab wann es sich tatsächlich um ein hochwertiges Produkt handelt und wie man dieses zum bezahlbaren Preis produzieren kann. Inwieweit dieses dann noch günstiger hergestellt werden können, das ist dann zumeist nur noch eine Frage der Quantität.

Warum erst jetzt? Was war der Auslöser, warum hat man sich plötzlich doch anders entschieden?

Es ist ja bekannt, dass SOMMER cable bzw. HICON auch in der Entwicklung und als OEM-Hersteller für Mitbewerber oder Zwischenhändler arbeitet. Jedenfalls wurden jahrelang von Zwischenhändlern unzählige Anfragen und Bitten an uns herangetragen, dass wir doch unbedingt im unteren Preissegment Brands aufbauen sollten.

In den Gesprächen – in dieser Sache mit einem recht hartnäckigen Kunden – kam in uns aber immer wieder der Verdacht auf, dass diese Low-Budget-Brands nicht unbedingt als Mehrwert für unsere oder deren Kunden, sondern eher der Zerstörung vorhandener Marken und Märkte gedacht waren. D.h., man hat sich eigentlich nicht wirklich die Frage gestellt, ob das der Musiker – sprich der Endkunde – überhaupt benötigt, sondern man hat sich mehr um die Beschaffung von Marktanteilen gekümmert oder eben darum, einem Mitbewerber eins „auszuwischen“, indem man ihn preislich unterbietet. Aber der Kunde selbst interessiert sich bekanntermaßen nicht für diese Kleinkriege unter den Anbietern. Er möchte einfach nur den bestmöglichen Gegenwert für seine Investition. Und das ist auch so in Ordnung.

Dann sollte man wissen, dass bei SOMMER cable die Mehrheit der Mitarbeiter Musiker sind. D.h., wir denken schon aus eigenem Interesse darüber nach, welche Produkte und Märkte Sinn machen könnten. Und uns erschien diese Vorgehensweise, über einen Preiskampf Marktanteile zu gewinnen, nicht zielführend. Und wir wollten auf keinen Fall unsere Energie und Ressourcen damit verschwenden, einfach nur irgendein chinesisches Standardprodukt von einem dieser wenigen „echten“ Herstellern zu importieren, dieses dann anschließend mit einem Aufkleber oder einem Label zu versehen und blind weiter zu verkaufen. Das war uns zu destruktiv und zu langweilig und zu dem damaligen Zeitpunkt konnten das andere Unternehmen schlichtweg besser als wir. Wir wollten unsere gewohnte Qualität jedenfalls nicht nach unten schrauben, bloß um den Markt ein wenig „aufzumischen“.

Einer der wichtigsten Gesichtspunkte für unsere Entscheidung war der, dass wir zwischenzeitlich europaweit über ein ausgesprochen dichtes Handelsnetz verfügen, mit einer hohen Anzahl an Wiederverkäufern. Darunter höchst engagierte Einzelhändler und gut gemachte Online- und Elektronik-Shops. Diese haben uns immer wieder regelrecht angefleht, auch Produkte im unteren Preissegment anzubieten, damit sie zukünftig die Anzahl der Lieferanten herunterschrauben können, was an sich ja ein sehr vernünftiger Weg ist, wenn die bisherigen Rahmenbedingungen und die Lieferverfügbarkeit stimmen.

Jahrelang haben wir uns die Frage gestellt: „Wollen wir das denn wirklich?“, und immer wieder wurde Anlauf genommen und das Für und Wider diskutiert. Irgendwann ist man nach einem Meeting auseinander gegangen mit dem Beschluss, dass wir das vielleicht irgendwann einmal machen könnten, wenn es uns möglich sein würde, die Qualität aus unserer Premium-Brand mit nur wenigen Einschränkungen auch ins untere Preissegment zu übertragen. Aber es gab hierbei keine Deadline oder keinen internen Druck, wir wollten einfach den richtigen Augenblick abwarten.

Und – ehrlich gesagt – gerade in dem Augenblick, wo man sich bei uns im Hause geistig von diesem Projekt schon wieder ein wenig verabschiedet hatte, hat sich einer unserer zuverlässigsten OEM-Hersteller gemeldet, welcher für uns u.a. auch sehr hochwertige Metallparts der HICON-Verbinder produziert, und hat uns signalisiert, dass er sich für ein Projekt einen neuen Maschinenpark angeschafft hat. Mit diesem ist es ihm möglich, hochwertige umspritzte Mehrfach-Compound-Steckverbinder, wie diese bspw. auch in der Medizintechnik Anwendung finden, zu fertigen. Diese Nachricht hat uns alle regelrecht euphorisiert. Denn dadurch war uns klar, dass wir Bauelemente und Parts unserer hochwertigen HICON-Verbinder auch in diesem Basic-Brand einsetzen können und eben nicht auf diese Standard-Pins zurückgreifen müssen, welche zum größten Teil nur aus Blech gefertigt und auch nicht zugentlastet sind oder bei denen aufgrund unterschiedlicher Kunststoff-Compounds mit der Zeit die Weichmacher ins Kabel kriechen.

Das war jedenfalls eine sehr gute Nachricht, denn hiermit hatten wir eines der gewünschten Alleinstellungsmerkmale erreicht. Die anderen Benefits waren eben die, unsere eigene Meterware zu verarbeiten und unsere Steckverbinder und deren Farbkodierungen verwenden zu können.

Ein weiterer Grund, über eine Basic-Serie nachzudenken, war eine neue Produktgattung – und zwar die der Klein- und Desktop-Synthesizer, wie bspw. der KORG VOLCAS oder der ROLAND Boutique. Instrumente, die fast alle leichter als die Kabelverbindungen selbst scheinen und das Risiko besteht, dass das Kabel die Hardware vom Tisch zieht. DJs haben mit diesen Miniatur-Mischpulten ja das gleiche Problem.

So ist also auch das Kabelgewicht zu berücksichtigen und deshalb machen Kunststoff-umspritzte Steckverbinder in einer solchen Umgebung durchaus Sinn. Auch haben uns viele Musiker berichtet, dass sie mit dem Rechner oder kleinen Keyboards im Flugzeug oder auf längeren Eisenbahnfahrten musizieren oder produzieren und eben keine kiloschweren Looms mit sich herumschleppen möchten.

Ich selbst durfte zuhause innerhalb unseres Wohnraums mit meinem Synthesizer-Studio auch schon mehrmals umziehen und dachte jedes Mal, wenn ich mein Keyboard- und Effekt-Rack durch den Flur schob: „Uhhh… Kabel sind wirklich verdammt schwer!“  J.  Und es ist mir schon oft passiert, dass massive Steckverbinder die fragilen Platinen mit den Einbaubuchsen aus den Synthesizern gehebelt und Platinenbrüche oder Wackelkontakte provoziert haben. Das ist übrigens einer der häufigsten Defekte bei gebrauchten Musikinstrumenten, wenn man den Angeboten in Kleinanzeigen Glauben schenken darf.

Wie unterscheiden sich die BASIC und BASIC+ Serie bzw. was zeichnet die Basic-Serie generell aus?

Bei der BASIC-Serie finden fast nur hochwertige, griffige und kompakte Kunststoff-umspritzte Steckverbindungen Verwendung. Diese sind aus einem schlagfesten und kälteflexiblen Zwei- Komponenten-Kunststoff hergestellt. Die verwendeten Pins sind recht massiv und besitzen eine aufwendig konstruierte Fassung, welche als Zugentlastung und zur Fixierung dient. D.h. die Fassung der Pins wird bei der Kunststoff-Extrusion nicht – wie bei günstigen Produkten üblich – mit Nadeln festgehalten und fixiert, über die anschließend Feuchtigkeit eindringen kann, sondern es wird ein spezielles selbstzentrierendes Inlet verwendet, das gleichzeitig als Zugentlastung dient und  wasser- und feuchtigkeitsabweisend ist.

Bei der BASIC+-Serie haben wir es tatsächlich geschafft, die Inlets, Pins und Zugentlastungen unserer HICON-Qualitätsverbinder zu integrieren. Somit erhält man ein wirklich sehr zuverlässiges Produkt zu sehr günstigen Konditionen. Die Kontakte sind gelötet und nicht gecrimpt, die Adern und Schirme vollständig gegeneinander isoliert, so wie dies auch bei unseren Premium- und Broadcast-Produkten üblich ist.

Was ist die Klientel der BASIC-Serien bzw. welchen Level hat die typische Zielgruppe der Basic-Serie?

Die BASIC-Serie ist die perfekte Kabel Verbindung für DJs, den Keyboarder, den Homerecorder oder den ambitionierten Musiker mit wenig Platz, oder auch den Anfänger mit schmalem Geldbeutel, der trotzdem ein tolles Produkt erhalten möchte, ohne dass er größere Kompromisse eingehen muss.